Mit Rechtskraft der Scheidung endet die Familienversicherung. Wichtigste Frist: 3 Monate für GKV-Anmeldung (§ 188 Abs. 4 SGB V). Kinder bleiben beim GKV-Elternteil familienversichert. PKV-Versicherte müssen einen eigenen Vertrag abschließen oder prüfen, ob ein GKV-Wechsel möglich ist.
Wann endet die Familienversicherung?
Die beitragsfreie Familienversicherung (§ 10 SGB V) endet mit dem Tag, an dem das Scheidungsurteil rechtskräftig wird — also in der Regel einen Monat nach Verkündung, wenn keine Rechtsmittel eingelegt werden. Die bloße Trennung oder das Trennungsjahr beenden die Familienversicherung nicht.
Ihre Optionen nach der Scheidung (GKV)
- Pflichtmitgliedschaft: Wer sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, wird automatisch bei der Krankenkasse des Arbeitgebers Pflichtmitglied
- Freiwillige Mitgliedschaft (§ 9 SGB V): Wer nicht pflichtversichert ist (Selbstständige, Beamte), kann der bisherigen Krankenkasse beitreten. Beitrag richtet sich nach dem eigenen Einkommen
- Weiterversicherung über Unterhalt: Bei Unterhaltsbezug ggf. weiterhin über Ex-Partner versicherbar — Krankenkasse direkt anfragen
Private Krankenversicherung (PKV): Besonderheiten
War der Ehegatte über die PKV des Partners mitversichert, endet dieser Schutz mit der Scheidung. Optionen:
- Eigener PKV-Vertrag: Ggf. Rückkehr zur früheren Police möglich
- Wechsel in GKV: Nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich (Aufnahme sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, Einkommen unter 5.962,50 €/Monat brutto 2026)
- PKV-Basistarif: Falls kein anderer Versicherungsschutz erhältlich — Prämien auf GKV-Niveau begrenzt
Kinder: Was ändert sich?
Kinder bleiben familienversichert beim Elternteil in der GKV, solange sie kein eigenes Einkommen haben und unter 25 Jahre alt sind. Eine Trennung oder Scheidung ändert daran nichts — nur bei Wechsel des betreuenden Elternteils muss ggf. umgemeldet werden.
Checkliste nach der Scheidung
- Rechtskraftbescheinigung des Scheidungsurteils bei der Krankenkasse einreichen
- Neue GKV-Mitgliedschaft innerhalb von 3 Monaten anmelden
- PKV-Vertrag auf eigenen Bestand umstellen oder Tarif neu prüfen
- Kinder ummelden oder Familienversicherung bestätigen lassen
- Beihilfeansprüche (Beamte) neu klären
Die entscheidende Frist: Beitrittserklärung innerhalb von drei Monaten
Nach Ende der Familienversicherung — in der Regel mit Rechtskraft der Scheidung — haben Betroffene drei Monate Zeit, einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beizutreten. Innerhalb dieser Frist gilt das erleichterte Beitrittsrecht ohne erneute Gesundheitsprüfung. Wer diese Frist versäumt, muss sich anders absichern und zahlt möglicherweise höhere Beiträge oder Nachzahlungen. Im Zweifelsfall sollte die Krankenkasse rechtzeitig kontaktiert werden — eine schriftliche Anfrage sichert den genauen Stichtag ab.
Beitragsberechnung in der GKV nach der Scheidung
Wer nach der Scheidung in die GKV eintritt, zahlt Beiträge auf Basis des eigenen Einkommens. Der allgemeine Beitragssatz liegt 2026 bei 14,6 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens plus dem kassenindividuellen Zusatzbeitrag (durchschnittlich ca. 1,7 Prozent). Wer kein oder nur ein geringes Einkommen hat und keine Leistungen vom Jobcenter erhält, zahlt den Mindestbeitrag auf Basis des gesetzlich festgelegten Mindest-Einkommens. Unterhaltsleistungen zählen dabei als beitragspflichtiges Einkommen.
Private Krankenversicherung: Rückkehr in die GKV prüfen
War der mitversicherte Ehegatte über die private Krankenversicherung (PKV) des Partners abgesichert, endet dieser Schutz mit der Scheidung. Eine Rückkehr in die GKV ist ab 55 Jahren in der Regel nicht mehr möglich. Jüngere Betroffene können bei Aufnahme einer versicherungspflichtigen Beschäftigung automatisch in die GKV wechseln. Wer nicht in die GKV zurückkann oder will, muss eine eigene PKV abschließen — mit neuer Gesundheitsprüfung und ggf. Risikozuschlägen.
Kinder: Wechsel der Versicherung nach dem Sorgerecht
Kinder, die bisher über einen Elternteil familienversichert waren, können nach der Scheidung weiterhin beim bisherigen Versicherten bleiben oder zum anderen Elternteil wechseln. Voraussetzung für die kostenfreie Familienversicherung ist, dass das Kind kein eigenes Einkommen über der Geringfügigkeitsgrenze hat. Wechselt das Kind den Versicherungsträger — z.B. weil der betreuende Elternteil in einer anderen Kasse ist — muss dies dem jeweiligen Versicherer gemeldet werden. Im Streitfall entscheidet das Familiengericht.
Häufig vergessene Sonderfälle
Beamte sind über die Beihilfe abgesichert und oft zusätzlich privat versichert — die Familienbeihilfe für den Ehegatten endet mit der Scheidung. Selbstständige, die bisher über den Partner GKV-versichert waren, müssen sich nach der Scheidung selbst versichern und zahlen in der GKV den erhöhten Selbständigenbeitragssatz. Studierende können bis zum 25. Lebensjahr familienversichert bleiben, danach gelten eigene Regeln. In allen Sonderfällen ist eine individuelle Beratung bei der zuständigen Krankenkasse oder einem Versicherungsberater empfehlenswert.
Offizielle Quellen
§ 188 SGB V — Ende der Familienversicherung (Gesetzestext) GKV-Spitzenverband — Krankenversicherung Verbraucherzentrale — Krankenversicherung nach ScheidungNichts vergessen nach der Scheidung
Das Ratgeber-Buch listet alle Behördengänge und Fristen nach der Scheidung.